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  • AutorenbildAnna Gelbert

Zwanzig-FEAR-undzwanzig?



Als am 1.Januar ein Airbus in Tokio brannte, wusste ich schon, was für ein Jahr das wird. Dass fast alle Passagiere wie durch ein Wunder überlebt haben, werte ich als Omen und orakle: Dieses Jahr wird viel Schrecken und wundersame Wendungen bringen. Ihr werdet mir also verzeihen, wenn ich hier erstmal ein bisschen lamentiere, denn nach dem ersten Zwölftel überwiegt traditionell erstmal der Schrecken:


Gerade haben wir den Nervenkrebs-Januar hinter uns gebracht, der glaube ich nur Ski-Fans (alle auf dem Berg) und Hollywoodstars (alle am Strand) und ein paar bedauernswerte Geburtstagskinder glücklich macht. Für die Übrigen bringt dieser endlose, dunkle Monat vor allem Versicherungsbeträge, die so dreist in die Höhe geschraubt wurden, dass man schon gar keine Lust hat, sich die halbgaren Ausreden (Personalmangel, Rohstoffpreise, Überhaupt) anzuhören.


Der Januar ist der Sensenmann für alle Sinne, die Partybremse nach der prallen Weihnachtsfreude, der Grummel-Gothic unter den Glamour-Stars. Das nüchterne Sternzeichen Steinbock dominiert, das Sparsamkeit und Sicherheit schätzt. Draußen scheint derzeit herrliche Frühlingssonne, aber normalerweise ist der Januar winterjackentrist und eisig wie das verfluchte Arendelle. Veganuary, Dry January, Asexanuary -Verzicht und Verdruss gehören zu ihm wie Elmex zu Aronal. 31 Tage Nervenkrebs, eine einzige Pflichtübung, bei der mir nur meine täglichen Affirmationen helfen. Fokussieren, wegarbeiten, aushalten. Grrr.


Und dann ist da noch die Sache mit dem Führerschein. Auch ich habe noch den rosa Papp-Lappen aus dem Jahr 1990, den ich jetzt - so wie Millionen andere - gegen eine schicke EU-Karte eintauschen darf. Was ich dafür liefern muss, um den von mir rechtmäßig auf Lebenszeit erworbenen Wisch einzutauschen? Eine ärztliche Untersuchung, einen Sehtest, eine Karteikartenabschrift der alten Behörde und Unmengen an Formularen, damit irgendein Jerome in Brüssel mir die Fahrerlaubnis auf 15 (!) Jahre erteilt. Dann das Ganze nochmal. Ich verstehe ja, wenn bei über 80-jährigen nochmal auf die Reaktionsfähigkeit und die Sehstärke geschaut wird. Aber, hey, ich bin 51 und das Ding gehört mir. Waren wir uns nicht einig, dass Bürokratie abgebaut und nicht multipliziert werden soll? Offenbar nicht.




Apropos Lappen (also der Führerschein): Mein Sohn hat ihn jetzt auch. Für läppische 1600 Euro KFZ-Versicherung im Jahr (Ihr wisst schon, bei dem Laden, mit dem man vom ersten Augenblick an ein festes Bündnis mit dem Glück schließt) gurke ich jetzt wie eine nervöse Fahrlehrerin durch das hektische München und gebe mit künstlich ruhiger Stimme Anweisungen, während ich um mein Leben bange. Um es gleich festzuhalten: Mein Sohn ist ein guter Fahrer, aber Helikopter sitzen nun mal wahnsinnig ungern auf Beifahrersitzen.


Das Jahr ist für uns alle turbulent gestartet. Okay, wir saßen in keiner brennenden Maschine, aber es geht dennoch hochexplosiv her. Es ist, als sei die Erleichterung, das Leben um jeden Preis (auch die saftig gestiegenen) wieder zu genießen, jetzt einem Donnern gewichen. Deutschland kocht und kotzt: Alle streiken, alle sind sauer, alle basteln am perfekten Feindbild. Gestern früh in der Münchner Innenstadt: Tierschutz-Demo vor Louis Vuitton, Palästinenser-Demo auf dem Odeonsplatz, Demo gegen Whatever ein paar Straßen weiter. Einerseits finde ich es gut, wenn alle von ihrem Recht Gebrauch machen. Wenn ich die Lage aber richtig deute, wird es in diesem Jahr vor allem darum gehen, dass wir als Menschen im Austausch bleiben und uns nicht spalten lassen - egal von welcher Seite


Lasst uns 2024 nicht zu Zwanzig-FEAR-undzwanzig machen. Es gibt genügend beängstigende Tendenzen da draußen. Zwischen der Tagesschau und X läuft der reinste Angstporno. Da sollten wir wenigstens in unserer Mitte bleiben und aufeinander zugehen. Lifehack: Hütet Euch vor Panikmache - wenn ihr die Glotze und das Smartphone ausschaltet, dann ist Sonntag. Klar, es wird eine rumpelige Reise. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr alle Flugzeugbrände gelöscht kriegen und unverletzt aus dem Wrack kriechen. Merkt Euch jetzt schonmal, wo die Notausgänge sind!







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