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  • AutorenbildAnna Gelbert

Djamila ist Dschungelqueen - verdient!


Zwischen diesem Foto und der Realität liegen exakt drei Jahre und drei Filter. Es war ein Abend in der Berliner Promi-Kantine Borchardt wo wir, ich sag's mal diplomatisch, nicht richtig gern gesehen waren.


Die ganze Nacht schon bekomme ich Nachrichten von Menschen, die Djamila Rowes Dschungel-Sieg feiern. Warum ich? Weil ich die Frau seit zwei Jahrzehnten über meinen Job als TV-Reporterin und Producerin kenne. Weil ich seit zwanzig Jahren sage: Djamila ist cool. Umso mehr freue ich mich, dass das jetzt offenbar Millionen Menschen bestätigen.


Ich bin nur eine Randfigur und beobachte und begleite Djamilas Weg schon seit den frühen 2000ern. Damals ging ihre vermeintliche Affäre mit dem Schweizer Botschafter Thomas Borer durch die Medien. Unsere erstarkenden Boulevardsendungen liebten den Skandal und stürzten sich auf jedes Detail. Schon bei unseren ersten gemeinsamen Drehs - ich eine junge Reporterin, sie die fünf Jahre ältere Berliner Schlagzeilen-Queen - war klar: Die ist lustig und auf eine Art klug, die nichts mit der akademischen Arroganz des Alnatura-Adels zu tun hat. Und: Sie ist menschlich. Wir arbeiteten zusammen, wir führten aber auch immer wieder Gespräche über ihr oder mein Liebesleben, über Kinder und Männer.


Ich war Zeugin mehrerer Beauty-Eingriffe, die wir immer wieder mit der Kamera begleiteten. Bei einigen schüttelte ich den Kopf, andere sollten in den nächsten Jahren ohnehin in Mode kommen. Ich war in Djamilas bescheidener, ordentlicher Wohnung, ich erlebte mit, wie sie immer wieder liebevoll neu dekorierte und es liebte, neue, fancy Putzmittel auszuprobieren. Und ich erlebte eine Hundemutter, die ihre beiden Möpse (ja, ja, ich weiß) verwöhnte und pflegte. Mit anderen Worten: Es entstand über die Jahre eine freundschaftliche Arbeitsbeziehung.


Als der Hype um alle Boulevard-"Luder" (für das Wort gäbe es heute Cancelling vom Feinsten) abflaute, als der Frauentyp Ich-hab-viel-machen-lassen-und-das-kann-ruhig-jeder-sehen nicht mehr hip war, da kämpfte Djamila ihren einsamen Kampf weiter. Die TV-Anfragen wurden weniger. Dabei hatte sie fast zu jedem Thema etwas zu sagen. Oft lustig, manchmal erstaunlich weise. Ich war Fan, ich blieb Fan.


Und dann wurde Djamila, die schon einen Teenie-Sohn hatte, schwanger. Wir fanden es vor laufender Kamera heraus. Ich sage WIR, weil ich live dabei war. Bei einem Dreh probierte sie Abendkleider an, plötzlich passte nichts mehr, und sie erzählte am Rande, dass ihre Periode überfällig sei. Ich, ganz Boulevard-Reporterin, flitzte zur nächsten Apotheke, besorgte einen Test, ließ das Kamerateam die Mühle einschalten und erlebte: Einen kompletten Zusammenbruch. Tränen, Ungläubigkeit, Freude, dann Zweifel.


Neun Monate später waren mein Team und ich im Kreißsaal dabei, als ihre Tochter per Kaiserschnitt entbunden wurde. Es war einer der schönsten Drehs meiner 20-jährigen TV-Zeit. Djamila war in der Schwangerschaft weich, verletzlich, blühte richtig auf. Und, als ihr Mädchen in ihrem Arm lag, kullerten auch bei mir Tränen. Echter kannst Du einen Menschen nicht erleben. Und auch das hat wohl viele Dschungel-Fans überzeugt: Hinter der operierten Fassade steckt eine Mutter, die ihre Kinder sehr, sehr liebt und alles für sie tut.


Und das, obwohl - oder gerade weil? - sie selbst eine furchtbare Kindheit hatte. Schläge, Vernachlässigung, Kälte. Soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann, ist Djamilas Leben genau diese Achterbahn: Härten wechseln sich mit Hochs ab - und das heftiger als bei vielen anderen Menschen. Essen in teuren Charlottenburger Restaurants, Designertaschen, aber auch Redaktionen, die immer wieder dankend ablehnten. Nö, läuft nicht mehr. In den mageren Jahren, als gefühlt niemand mehr über sie berichten wollte, hielt Djamila ihren Kurs. Wie ging es weiter bei uns? Djamila sprach für meinen Hochzeitsfilm in die Kamera meiner Freunde, wir blieben lose in Kontakt, immer wieder mal kam ein Projekt infrage, und dann wieder nicht. Aber sie machte weiter, einfach immer weiter. Und das war goldrichtig.


Ihr Sieg ist - neben dem Australian-Open-Sieg von Tennis-Gott Novak Djokovic, der mich diese Woche besonders freute - der Triumph einer Person, der viel Unrecht getan wurde. Es ist leicht, über jemanden zu lachen, der grotesk aussieht und versucht, sich über Wasser zu halten. Nach dem Motto: Wer braucht schon Privilegien, wenn er Chirurgen hat? Aber Djamila hat selbst immer am lautesten mitgelacht. Und genau das macht sie menschlich - und cool.


Was ich besonders tröstlich finde: Es ist der Sieg der mittelalten Frau über alle Widrigkeiten des Lebens. Manchmal sind es eben nicht die 27-jährigen Fashion-Girls, die alles abräumen, sondern Leute mit Brüchen, mit Tiefen und Narben, die scheitern, wieder aufstehen, Schwäche zeigen, Stärke entwickeln. Und wie heißt es so schön: Krone richten, weitermachen. Djamila hat jetzt eine Krone. Und die hat sie mehr als verdient.



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