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Alter Schwede! Stockholm rocks

April 24, 2018

 

 

 

 

 

 

 

Um es gleich vorwegzunehmen: Für nichts aus diesem Artikel habe ich Geld bekommen - oder gar eine Gegenleistung in Form von Flügen, Hotel-Upgrades oder Köttbullar. Trotzdem schleichen sich, ich hab es beim Vorformulieren im Kopf gemerkt, immer wieder Markennamen ein. Irgendwie gerät dieser Blogpost über Schwedens Hammer-Hauptstadt zu einer dieser "ich benutze im Hotel XY am liebsten Shampoo der Marke YY"-Nummern. Ich bin wohl die einzige Bloggerin weltweit, die eine echte Liebesbeziehung zu einzelnen Brands unterhält und dafür keinen Cent kassiert. Macht mich das zur dümmsten Influencerin weltweit? Naja, vermutlich ist da noch Luft nach unten. 

 

Apropos Luft: Schon am Gate für den Lufthansa-Flieger (die einzige Airline, der ich trotz meiner Flugangst grenzenlos vertraue - da, seht Ihr's?) warten plötzlich nur noch schöne Menschen. Ist hier irgendwo ne Model-Blase geplatzt? In der ersten Reihe der Business-Class: Zwei Typen mit speckigen schwarzen Shirts, Sneakers und Zausel-Frisur, wie sie in München gerne mal von Zivilpolizisten angehalten und auf illegale Substanzen durchsucht werden. Sind aber leider zwei schwedische Internet-Millionäre, die für ein Meeting hier waren und jetzt in ihre Lofts zurückkehren. Erfolg geht auch lässig. 

 

Erste und wichtigste Frage: Habe ich das RICHTIGE eingepackt? Klar, dass der Eco-Light-Tarif (acht Kilo inklusive Koffer, no Way) sofort aufgestockt wird. Ich bewundere Menschen, die mit so wenig ein Wochenende lang klarkommen. Ich kann's nicht.

Besonders wichtig: Was ist das IT-Piece? An jedem Ort gibt es ein Teil, das ALLE tragen, und Du hast es ziemlich sicher daheim im Schrank: In London ist es der Trench Coat. Auf Mykonos Häkelshorts, auf Capri schwarze Lederjacken. Wie also sieht das Stockholm-Fashion-Syndrom aus? Was ist das IT-Piece in Schweden? Nach diesem Wochenende weiß ich: Es ist ein Kinderwagen.

Die Schweden sind in Europa ganz vorn dabei beim Kinderkriegen (1,85 Kinder pro Frau!), gleich hinter Frankreich. Die Gründe: Kein Ehegattensplitting, ein gutes Betreuungsnetz, Elterngeld. Scheint zu funktionieren: In jedem Café sitzen etliche Leute mit Kinderwagen. Wer keinen hat, trägt zumindest einen Babybauch vor sich her. Wow! So geht's auch.

 

Noch ein Learning: Steig.Nie.In.Ein.Taxi.In.Stockholm! Für jeden Weg gibt es hier Alternativen. Vom blitzsauberen Arlanda Flughafen-Express (der von innen aussieht wie eine IKEA-Abteilung) über die U-Bahn mit so putzigen Haltestellen wie "Sockenplan" - alles ist hier besser als Taxifahren. 

 

Learning 3: Alle sind extrem freundlich zueinander. Nicht das Ami-How-are-you-today-freundlich, sondern einfach unaufgeregt nett.

Also nix wie rein in eine der unfassbar hübschen Brot-Boutiquen, einen Soja-Latte genießen (hier gibt's besseren Kaffee als in Italien, nimm das, Francesco!) und staunen: Was für ein schönes Volk! In meiner Vorstellung sahen die Schwedinnen alle aus wie Agnetha von ABBA, blond, in helles Leinen gekleidet, nach Seife duftend. Ein Klischee, klar. Was ich hier in den Straßen sehe: Ein bunter Mix aus meist großen und gutangezogenen Menschen mit lässigem internationalen Einschlag. Adipöse, wie sie in den USA oft zu finden sind, suche ich vergeblich. Und das trotz martialischer Gerichte wie Sahne-Hering und Blutpudding, überhaupt Fleisch in allen Variationen. Als Gott Schweden schuf, hatte er wohl gerade frisch geduscht und ein Steak verdrückt. Vermutlich war er auch joggen. Denn jede Grünfläche - und es gibt viele - ist hier voll mit Läufern. 

 

Die Schweden haben nicht nur ein Königshaus, um das ich sie glühend beneide (nichts gegen Heiko Maas und Andrea Nahles, aber wer bei der Hochzeit von Kronprinzessin Victoria und ihrem bürgerlichen Fitness-Trainer Daniel nicht geweint hat, hat ein Herz aus Knäckebrot). Sie haben auch Schwedische Kronen - und einen Hang zur absoluten Bargeldlosigkeit: Jedes Süßteil mit Zimt oder Kardamom sollst Du hier mit Karte zahlen. Vermutlich dauert es nicht lang, bis die Obdachlosen ein Kartenlesegerät am Start haben. 

 

Nach so einem stilvollen Auftakt ist es nicht völlig überraschend, zumal im Hipster-Viertel Södermalm (so eine Art Prenzlauer Berg ohne Schwaben: War mal abgefuckt, wird jetzt immer schicker), dass unser Hotel (NOFO) auf jedem Quadratmeter lässiges Design ausstrahlt.

Drumherum: Bolzplätze mit Musik, die Kinder und Teenies nach draußen locken, statt sie in ihren Zimmern vor der Konsole verschimmeln zu lassen. Spielplätze, Schulen, Organic Delis und die hübschesten Bäckereien, die ich je gesehen habe.

Die coolste Bar am (Medborgenplatset) Platz: Das Babylon. Sieht aus wie eine Massen-Demo, ist aber der perfekte Auftakt/Ausklang für den Abend. 

 

Seit ich erwachsen, oder zumindest alt bin, erlaube ich mir den Luxus, in Städten nur noch anzuschauen, worauf ich Lust habe. Also, kein ABBA-Museum, kein Palast-Rundgang. Stattdessen: Ab aufs Boot und bei einer Fine Tea-Rundfahrt die Schären erkunden. Stockholm und das Umland besteht aus unzähligen Inseln. Vom altmodischen Holzschiff aus könnt Ihr bei einer Tasse Earl Grey in der Hand und einer Decke auf dem Schoß den Glücklichen ins Wohnzimmer schauen, die hier ein Haus besitzen. Kaum zu glauben, dass Bestseller-Autor Henning Mankell in diese Gegend überall Morde reingeschrieben hat: Es sieht so friedlich aus wie Bullerbü.

 

Wozu ich ein gespaltenes Verhältnis habe: Hop on Hop Off Touren mit Doppeldecker-Bussen. Einerseits schön, einen ersten Überblick zu bekommen. Andererseits: Was für ein uninteressantes Gequatsche das im Jahr 2018 immer noch ist: Standbilder, alte Kriegs-Schlachten-Anekdoten. Wann füllt mal einer diese Marktlücke und erzählt, was die Leute in einer Stadt wirklich interessiert? Lebendig, umgangssprachlich und kurz? In einigen Städten gibt's das schon: Time Travel in Wien zum Beispiel. Multimedial, aktuell - mehr davon!

 

Auch keinen zweiten Besuch wert: Die Strandvägen Promenade. Hier reihen sich teure Beach Bars hinter VIP-Kordel-Absperrungen aneinander. Reiche und gelangweilte Menschen schauen sich gegenseitig beim Reich- und Gelangweiltsein zu. Es sieht aus wie in St. Tropez oder sonstwo, wo geldige Männer ihre schönen Frauen - und die ihre schönen Handtaschen und ihre gelifteten Wangen ausführen. Das ist nicht Stockholm, das ist das ist globales Arschlochtum.

 

Ansonsten: Lässig, edel, gut. Stockholm - Jag kommer tillbaka. Ich komme wieder!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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