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Fort! Nite - "Nur noch diese Runde!"

April 18, 2018

 

 "Hey Bros, Bros, in meiner Lobby sind fünf Pumps!", schreit mein Sohn aufgeregt in seinen Kopfhörer. Am anderen Ende sind ein halbes Dutzend Teenies, die gottweißwie einander zugeschaltet sind.  Sie spielen Fortnite, ein Game, ohne das Leben auf diesem Planeten im Augenblick nicht möglich erscheint. ALLE tun es. Sogar Stars wie Drake, der trotz seiner 31 Jahre im Zustand fortwährender Adoleszenz gefangen scheint. Drake, den ich persönlich gern höre, hat sogar nen Rekord gebrochen (635 000 Leute, gebt Euch das!), indem er sein Battle gegen den amtierenden Fortnite-Gott Ninja (so eine Art Zeus mit Controller statt Blitz in der Hand) streamte. Kommt Ihr noch mit? Googelt mal schön. Und dann Achtung: Sollte Euer Kind als Berufswunsch nicht mehr Fußballer oder Feuerwehrmann, sondern Streamer angeben, ist erhöhte Aufmerksamkeit angebracht. Es gibt jetzt a) die Chance, dass ihr alle mit diesem Zeug schwerreich werdet und b) die Chance, dass Euer Nachfahr einfach nur ein totenbleicher, muskelfreier Stubenhocker wird, der analogem Quatsch wie Freundschaften, Vitaminen, Sport und Familie gegenüber nicht allzu aufgeschlossen ist. Jetzt gilt es, einzuschreiten. Als Helikopter-Mom versuche ich also, die Tragweite dieses Spiels zu begreifen. Er setzt - zwischen zwei Battles - zum Erklärungsversuch an. "Nein, Mama, das ist kein reines Ballerspiel. Nein, keiner von uns wird eines Tages mit einer Pumpgun durchs Schulhaus rennen." (Ist ja schon mal beruhigend) Aber worum geht's?

Hier die Zusammenfassung VON alten Leuten FÜR alte Leute (wenn mein Sohn das liest, wird er sich freiwillig in eine Babyklappe setzen, weil ich es so peinlich erkläre - vorausgesetzt, es gibt dort WLAN): Zu Beginn sitzt eine Truppe Spieler in einem Battle-Bus, der sich durch die Luft bewegt (bitte fragt nicht, warum). Jetzt könnt Ihr Euch unten irgendwo absetzen lassen: In Städten oder im Wald (klingt wie die Linie 35 zwischen Münchner Freiheit und Aidenbachstraße). Soweit so friedlich. Dann gibt's Attacken, gegen die Ihr Euch natürlich mit Waffen rüsten könnt. Ihr könnt selbst Gegner eliminieren, oder Euch einfach nur verstecken. Gewonnen hat, wer am Ende überlebt, möglicherweise, indem er einfach das ganze Spiel über nur unter einem Verhau hockte. "Das ist ja genau wie im richtigen Leben!" rufe ich aus, glücklich, ob meiner philosophischen Transferleistung.

"Äh, ja, vielleicht!", druckst er herum. Ich glaub er denkt, ich sei verrückt. Nix da: "Mich interessiert nur eins: Warum kannst Du Dir jede Battle-Strategie merken, aber die Französisch-Vokabeln nicht?", frage ich. "Sorry Bros, meine Mom quatscht gerade dazwischen, ich bin gleich wieder online", ruft er in sein Mikro. "Das können die ruhig hören", rufe ich überlaut ins Zimmer, "Hallo Ihr alle, Ihr habt daheim sicher dieselben Debatten". Spätestens jetzt beantragt mein Sohn eine neue Identität in einer südamerikanischen Bananenrepublik. Ich hab's verkackt. Das Mutter-Sohn-Ey-zeig-doch-mal-was-Dich-gerade-so-beschäftigt-Gespräch, total aus dem Ruder gelaufen. Wahrscheinlich spielen die das alle nur, um sich gegen Mama-Attacken zu wappnen.

Ich geb's auf: "Solange Du die Schule gut machst und echten Sport an frischer Luft treibst, kannst Du Dich aus fliegenden Bussen abseilen und durch virtuelle Räume laufen, wie Du willst. In drei Monaten kommt eh der nächste heiße Scheiß." Ich bin cool, oder? Ich sag "Heißer Scheiß".

"Yo, Mom, geh mal aus dem Bild!"

 

 

 

 

 

 

 

 

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