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Was macht eigentlich...die Liebe?

March 11, 2018

 

 

Wenn Du über 40 bist, fühlt sich Liebe an wie ein Fieberschub (schon das Wort klingt in einem BLOG kitschig. Allerdings: Als Buchstabenkunstwerk L.O.V.E. in Leuchtschrift überm Bett geht's gerade noch). Du kannst etwas dagegen tun, weißt aber: Es ist klüger, das einfach auszusitzen. Es fesselt Dich eine Weile ans Bett, verschafft Dir eine angenehme "Egal-Stimmung" gegenüber allem Unbill des Alltags - und: Es geht garantiert vorbei. 

 

In meinem Umfeld stehen jetzt immer mehr Leute vor einem früher weitgehend unbekannten Problem: Liebeskummer mit über 40. Du bist kurz vor der Menopause (bei den Männern: Porschephase) und jammerst wieder rum wie in der 9a, als der süße Alex (der einzige Typ über 1,60 m und ohne flächendeckende Akne) Deine Anfrage "Willst Du mit mir gehen (Ja! Nein! bis zur nächsten Mülltonne) ignorierte. 

 

Jetzt bist Du schon eine Ehe, Dutzende Beziehungen, ein paar Kinder und tausende Erfahrungen weiter - und steckst wieder in derselben Emo-Kacke wie früher: Warum ruft er nicht an? (Für die Generation U25: Anrufen, das ist, wenn jemand auf deine Whats App Sprachnachricht direkt antwortet, also ganz direkt) Du stellst Dir Fragen wie: Ist diese Frau wirklich gut für mich? Wie hat er/sie bloß diesen Satz gemeint ("Ich glaub, wir passen nicht zusammen". Zugegeben, viel Deutungs-Spielraum lassen diese Worte nicht.) Du kennst Ghosting, Caspering und U-Booting, die gängigsten Online-Dating-Trends. Und Du hast noch ein paar neue Kategorien hinzugefügt: Lieber-Allein-Sei-ing, weil das alles einfach viel zu kompliziert ist. 

 

Jahrelang hast Du Dich um dergleichen amouröses Kroppzeug nicht gekümmert. Dein Gefühlsleben war in trockenen Tüchern - meistens auch eingewickelt und im Keller gelagert - neben dem Rotwein und dem kaputten Schlitten.

Jetzt hast Du vielleicht eine Wohnung, eine Karriere, ein Auto und genug Material für eine Biographie zusammen - und kriegst doch wieder tagelang keinen Bissen runter, weil dein Handy keinen Mucks von sich gibt. Gut, Du kannst checken, ob Dein Gegenpart online ist oder war, ob er zusammen mit 721 anderen Leuten an Parties interessiert ist, die auf Facebook angekündigt werden. Das klingt jetzt erstmal wie ein mega Fortschritt.

Ansonsten: Der gleiche Quatsch wie damals mit 15.

Früher hat die zierliche Blonde aus der Parallelklasse den sportlichen Schulschwarm abgezogen. Heute kannst Du im Netz sehen, wer Deine Traumfrau oder Deinen Traummann sonst noch traumhaft findet.

 

Ist das Liebe - oder kann das weg?

 

Mit über 40 teilt sich der Love-Markt in diese Lager:

 

Die Über-L(i)ebenden. Paare, die schon seit dem Pleistozän zusammen sind. Sie verstehen sich wortlos (praktisch, wenn es eh nicht viel zu reden gibt). Versuche, sich mit einem von ihnen mal so richtig über Männer/Frauen auszukotzen, scheitern an ihrem stoischen "Das haben wir schon alles durch. Heute wissen einfach, was wir aneinander haben"-Blick. Ihre Kinder sind aus dem Gröbsten raus, und sie können sich wieder ganz neue Gesprächsthemen suchen, in denen die Worte Elternsprechtag und Lisa und Lena nicht vorkommen. Liebeskummer kommt in ihrem Leben auch nicht mehr vor. Oft allerdings weder Liebe noch Kummer.

 

Die Unterliebten Irgendetwas verbindet sie. Die knifflige Steuererklärung, der überlebensgroße gemeinsame Wohnungskredit, fordernde Kinder. Erotik und Romantik sind es nicht. Die kriegen sie woanders. Motto: "Appetit holt man sich draußen. Ach, und, wenn man schon mal dort ist, kann man doch auch gleich da essen. Wird ja kalt, bis man daheim ist!"

 

Vielleicht machen sie es klüger als die nächsten Kandidaten:

 

Die Aufbrecher: Sie wollen nochmal den ganz großen Hormon-Aufschlag. Noch ein letztes Mal das volle Programm: Blutige Blasenentzündung, nächtliche Barbesuche, verliebte Citytrips, BÄM.

Sie zahlen einen hohen Preis für ihr spätes Glück: Kaputte Familien, gespaltener Freundeskreis, Bullshit-Trennungs-Eltern-Logistik und die späte Erkenntnis (die aber an ihrem Teflon-Glück abprallt), dass die Liebe seines/ihres Lebens, schon längst da war. (Psst, nur soviel: ich bin es nicht). Familien: Brauchst nicht mehr kennenzulernen, alle Kinder erzogen, alle Schwiegermütter parteiisch, alle Schlachten geschlagen. Allerdings: Wenn Du als emotional aufgewühlter Aufbrecher nochmal in späten Liebeskummer gerätst, hast Du ein mega Problem. Tut genauso weh wie kurz vorm Abi, macht aber nicht mehr so schlank.

 

Die Patchworker. Gnadenlose Optimisten. Orga-Bergwerker. Beziehungs-Architekten. Sie schaffen das Unmögliche: Fertige Menschen mit vollgemüllten Leben und unfertigen Teenies zusammenzuführen, auf dass der Kuchen mit neuen Zutaten besser schmecken möge. Chapeau!

 

Die Scheidungs-Singles. Sie scheinen zwei Jahrzehnte in einer Luftkammer unter einer Lawine überlebt zu haben und posten jetzt - befreit und ergraut - Bilder von Alpen-Radtouren mit Kumpels. Der Kosename Mamil kommt übrigens aus England (Middle Aged Men in Lycra): Das Rennrad ist die neue Geliebte und wünscht sich wenigstens kein weiteres Kind mehr (geht eh nicht, Hodenquetschung wegen des Mini-Sattels) Wer sich nach den teuren Unterhaltszahlungen noch Urlaub leisten kann, postet Buddy-Pics vom letzten Segeltörn in der Ägäis. Die Neu-Single-Ladies machen Yoga, gehen wieder auf Parties und freunden sich gerne mit jüngeren Männern an, die gerade von Fläschchen auf Beikost umgestellt zu haben scheinen. 

 

Die Pragmatiker: Sie tindern, nachdem ihre Kinder ihnen das Laptop erklärt haben, beenden aber schnell und erbarmungslos jedes Techtelmechtel, das auch nur annähernd in Stress ausarten könnte. Distanzen von Hamburg bis Lübeck? Zu weit. Ich will doch in meinem Alter keine Fernbeziehung mehr. Kinder? Bis die aus dem Haus sind, warte ich nicht. Ex-Partner? Verschon mich mit dem Gesabbel. Für die Pragmatiker ist späte Liebe ein lästiger Infekt, Influenza-L. 

 

 

Im Sommer traf ich im Freibad eine alte Bekannte, die nach einer lukrativen Scheidung wieder ein Liebes-Aus verkraften musste - diesmal von dem Mann, der nach der Hoffnung kam. Aber von Trauer bei ihr keine Spur "Viel zu viel Stress, ich will jetzt nur noch eins: Alleine alt werden!" sagte sie strahlend. In dem Moment war ich fast ein bisschen neidisch. 

 

Ja, aber hat denn die Liebe in Zeiten der Bandscheibenvorfälle und vermögenswirksamen Leistungen gar keine Daseinsberechtigung mehr? Fahren wir alle mit verhornten Herzen besser?

 

Kann ich nicht glauben, will ich nicht glauben.

 

Kann mal jemand bei mir Fieber messen? Ich glaub ich hab über 40.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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