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I bims - die Schlaflose

February 2, 2018

 

 

Gibt es eigentlich noch irgendjemanden, der abends ins Bett geht und morgens wieder aufsteht?

Nach acht Stunden erholsamen, ununterbrochenen Schlafes? Dann möge er sich bei mir melden und mir mitteilen, wie er oder sie das macht.

Ich meine, ohne Hilfsmittel wie Merlot, Pillen, Wick MediNait oder die Tagesthemen.

Einfach rechtschaffen müde ins Bett sinken, um dann den Schlaf der Gerechten zu schlafen, das will ich auch mal wieder.

 

Bei mir hat das vor Jahren aufgehört. Kollegen und Freunde wundern sich, wenn sie um 03:29 eine Mail von mir bekommen. Oder, wenn ich mich um 4:13 in eine Chatgruppe einklinke, weil mir noch ein wichtiger Fußballturniertermin eingefallen ist. Aber so ist das jetzt. Ich bin wach. Hellwach. Ich kenne alle Tipps von heißer Milch mit Honig (bäh) über warme Bäder (hmm), gut gelüftete Schlafzimmer (ok), leichte Kost (immer), ausgeschaltete Elektrogeräte (well…). Das einzige, was kurz geholfen hat: Meditation. Der beste Traumflüsterer übrigens für alle Insomnia-Geplagten: Jason Stephenson aus Australien.  Zehn Minuten mit seiner sonoren Bondi-Beach-Säuselstimme - und Du schläfst durch wie in alten Zeiten.

Auch andere männliche Ein- und Durchschlafhelfer können durchaus erfolgreich sein – für eine Weile.

 

Ich war noch nie ein Nachtmensch. Ich mag Schlafen – eigentlich.

Schon im Studium, wenn alle noch morgens um zwei zu einer Party im OMEN aufbrachen, hab ich mich vorsorglich um 20 Uhr hingelegt, um nicht zusammenzubrechen.

Ich kriege Angst, wenn ein lustiger Restaurant-Trupp beschließt, spätabends noch weiterzuziehen.

Ich lade Gäste am liebsten Nachmittags ein, weil ich Angst habe, dass sie nachts nicht mehr, NIE MEHR gehen.

Der perfekte Abend allein endet bei mir um 21 Uhr mit einem Buch im Bett. Eine Seite lesen – und schwupps, bin ich weg. Drum liegt TYLL von Daniel Kehlmann auch gefühlt seit dem Mittelalter auf meinem Nachttisch.

Die ersten Stunden laufen prima, totales Koma, Delta-Schlafphasen wie im Medizin-Bilderbuch.

Dann irgendwann, in den frühen Morgenstunden, macht es pling. Ende. Nacht vorbei.

Klar, das Schlafverhalten ändert sich mit den Jahren. Die Blase wird schwächer, die ToDoListen länger. Und nach zwei Baby-Epochen mit fünf bis zehnmal die Nacht raus schlummerst Du gerade noch so tief, dass Dich ein Hüsteln aus dem Kinderzimmer senkrecht im Bett stehen lässt (gilt nur für Mütter). Richtig Rüsseln, das musst Du erst wieder lernen. Vermutlich bis zu der Epoche, in der Du um 23 Uhr wachliegst und Dich fragst, was zum Geier Dein Teenie-Kind so lange am Eisbach macht (und mit wem).

Was also tun? Herumwälzen und sich fühlen wie in einer Werbung für Baldrianpräparate bringt nichts. Ich hab mich für Action entschieden: Ich stehe auf, bügle, sortiere Unterlagen oder maile. Ab und zu treffe ich online auf andere Schlaflose wie meinen Kollegen, mit dem ich heute Nacht eine Partyeinladung besprochen habe. Um 4:30.

 

Nein, ich bin nicht depressiv. Nein, ich habe keinen Burnout. Ich bin einfach wach. Wären die Läden offen, ich würde glatt meinen Wocheneinkauf erledigen. In Berlin kannste auch nachts noch raus und etwas essen, erleben.

In München? Nada.

Immer mehr Freunde erzählen mir, dass es ihnen ähnlich geht. Der DAK-Gesundheitsreport 2017 sagt: 80 Prozent der Deutschen haben Probleme beim Ein- oder Durchschlafen. Hui, da bin ich gar nicht in der Minderheit.

Sollten wir je wieder eine Regierung haben, die nicht nur Sandkasten-Streitereien austrägt, plädiere ich für 24/7 Supermärkte. Damit die schlaflosen Stunden nicht mit Grübeln vertan werden. Ich meine solche Grübeleien, die schon unter der Morgendusche wieder unterm Entspannungs-Schaum weggespült sind („Findet mein Freund mich zu dick?“, „Hat Kim Kardashian ihr Kind heimlich von ihrer Halbschwester Kylie Jenner austragen lassen?“, „Warum hat meine Bank gestern versucht, mich anzurufen?“,“Reicht Melania Trump endlich die Scheidung ein?“ „Wo, verdammt, liegen die Impfpässe der Kinder?“). Moonlight-Shopping, herrlich. Dann wäre der Kühli morgens voll, wenn alle anderen aus ihrem privilegierten Delta-Schlaf aufwachen.

Muss ich später ins Bett gehen, um durchzuschlafen? Will ich gar nicht. Mittlerweile sind mir die zwei Stunden Ruhe lieb und teuer. Niemand stört, keiner will was, nur die automatisch generierten Mails ploppen auf meinem Smartphone auf und werden zum ersten Mal aufmerksam gelesen. Nein, danke, eine Penisverlängerung brauch ich nicht. Schön, dass für Euren Blockbuster jetzt der Startschuss für die Dreharbeiten fiel! Echt? Ich hab 50 Euro Guthaben bei einem Reiseveranstalter? Prima, lös ich gleich morgen ein.

Draußen wird’s schon wieder hell? Ich glaub ich döse noch ein bisschen!

 

 

 

 

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