• Anna Gelbert

Das Krisus - Woche 9 - Zeig Dein Teams-Gesicht!


Muttertag. Dieses Mal muss er begangen werden. Denn vor allem Mütter waren die Stützen dieser Krise. Haben sich aufgerieben zwischen Kochtopf und Calls, zwischen Supermarkt und Sozial-Leben. Zeit für eine Prämie!


Der Schlüsselsatz in diesen Tagen: Hab ich meine Maske dabei? Wir ziehen brav mit, um dann mit Fremden dumpfe Dialoge zu führen, während sich Rotz und Schweiß an der Innenseite des Stoff-Fetzens zu einem gar lieblich Rinnsaal vermählen.


What else?


1) Merkel lässt die Mansplainer ins Leere laufen. Die einen plustern sich auf, die anderen sitzen farblos zusammengesackt neben ihr. Während sie, die Physikerin, sich ständig widersprechende Fakten männlicher Wissenschaftler verkündet, drängt sich der Verdacht auf: Wären Frauen die führenden Virologen des Landes (was sie nicht sind, weil ja jemand Jan-Ole um 14.30 zum Asia-Training bringen muss): Das Virus wäre längst erforscht, ein Impfstoff gefunden - und um 12 stünde Essen auf dem Tisch. Zum Glück ist Mutti keine Mutter, sonst müsste sie Halbschriftliche Subtraktion büffeln, anstatt ein Land durch eine Krise zu lenken.

2) Drucker sind die neuen SUVs. Wer einen hat, ist der Babo. Wer seinen entsorgt hat, weil er zu sperrig, zu kompliziert oder zu unbenutzt war (so wie ich), läuft Gefahr, sich in einem SZ-Artikel über vom Digitalfortschritt abgehängte Familien wiederzufinden.

3) Die Kinder haben die Schule gerade abgeschrieben, als verkündet wird: Sie müssen wieder hin. Wann und wie, wird gerade noch föderalistisch zermörsert. Risikogruppen-Lehrer dürfen daheim bleiben. Ich schlage vor, dass vor allem eine Lehrer-Gruppe weiter pausiert: Diejenigen, die schon lange kaum verhohlen auf den Pausengong/den

Mittagsschlaf/die Ferien/die Rente/das Ende der Welt warten. Siri stell den Wecker auf 6 Uhr. Der größte Kampf wird werden, die ausgefransten Bettzeiten wieder in einen bildungspolitisch verträglichen Rahmen zu pferchen.

4) Die Kinder sind gewachsen, Lehrer, Ihr werdet es sehen. Physisch, aber auch seelisch. Für manche war das die erste große Krise ihres Lebens. Andere hatten schon mit schlimmeren Dingen als einem Virus zu kämpfen. Aber: Alle werden gestärkt zurückkommen.

5) Jeder von uns hat zwei Gesichter: Ein normales und ein Microsoft-Teams-Gesicht. Leider hat dieses allgegenwärtige Tool noch keine schmeichelhaften Filter, die uns gegen die junge Jule aus dem Büro optisch nicht ganz so abstinken lassen. Normalerweise sitzt sie direkt gegenüber. Jetzt strahlen ihre propperen Bäckchen provozierend straff im Bildausschnitt neben Dir in die Kamera und lehren Deine Altweiber-Lefzen Demut. Die Calls sind ein einziges Vorher-Nachher-Bild aus der Werbung für eine Beauty-Klinik. Du bist Vorher.

6) 125 000-Euro-Frage: Musst Du Dir Gedanken machen, wenn Dir Dein Arbeitsumfeld in den vergangenen 80 000 Minuten nicht 1 Minute gefehlt hat?

7) Die Durchgeknalltesten triffst Du dieser Tage im Biomarkt: Die Abstands-Nazis. Ohnehin leben sie in ständiger Angst vor Strahlung/Datenklau/Überwachungsstaat. Sie strampeln vorwurfsvoll mit dem Liegerad vor, haben eigene Behältnisse dabei und gehen nicht, ohne einen Streit über Hygieneregeln vom Zaun gebrochen zu haben. Gerne würden Sie Dir ihre Theorie über die Vestrickung von Bill Gates und der weltweiten Impf-Mafia unter den Mund-Nasenschutz reiben. Dafür müssten sie aber näherkommen.

8) Sommerurlaub am Staffelsee. Ja, warum eigentlich nicht? Ferien ohne Flug-Phobie, Brenner-Brass und Mykonos-Misantrophie. Herrlich.

9) Noch immer grusele ich mich vor dem Virus - je näher ich ihm komme. Eine Nierenbeckenentzündung wirft mich erst aufs Sofa, dann kurz ins Krankenhaus, wo ich in der leeren Notaufnahme neben dem leeren Corona-Zelt und vor der halbleeren Corona-Station liege. Zum Glück ist hier nichts los. Aber bleibt das so?

10) Strinken ist der Sommer-Hit 2020: Steh-Trinken. Es wird warm, und deutsche Straßen ähneln immer mehr mediterranen Apéro-Meilen. Die Bars türmen trotzig ihre Spirituosen zu abstrusen Pyramiden, stellen die Bluetooth-Boxen raus und versorgen alle mit hochprozentigem Vergessen.


Schon jetzt geht 2020 als das beschissenste Jahr seit langer Zeit in die Geschichte ein. Zwei Jahre dauert die No-Fun-demie angeblich noch. Dieser Tage feiern wir das Ende des zweiten Weltkrieges, den Victory Day. Wird es so ein Datum auch für Corona geben? Falls ja, schlage ich spontane Prachtmeilen-Versammlungen vor - so wie nach der WM 2014. Nur haben wir dieses Mal selbst mitgekickt.






















© 2017 by Anna Gelbert © 2017 Photos by Schoko-Auge

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