• Anna Gelbert

Der Meeting-Murks der neuen Device-Trottel: Tippen statt sprechen


Liebe Kollegen, sollen sich unsere Laptops zu einem Playdate verabreden?

Immer öfter sitzen wir in Meetings, die aussehen wie die Games.com: Dutzende Bildschirme bilden eine Front, die Deckung hoch, damit die gegnerischen Linien auf der anderen Tischseite nicht so leicht durchkommen. Darüber schließen und öffnen sich Münder, die Wortsalven unterbrochen von Tastenklacklacklack. Ergebnisse werden von emsigen, desinfizierten Fingern sofort in Tabellen und Listen übertragen, Mails getippt und die Anwesenden in cc gesetzt, obwohl sie - nun ja - anwesend sind.

Grüne Idee, graue Umsetzung

Der wichtigste Grund für diesen Technik-Trend: Viele Unternehmen denken jetzt grün und verzichten, wenn möglich, auf Ausdrucke. Lobenswert. Raschelndes Papier, hinter dem man sich früher verschanzte, war der Stimmung und Effizienz auch nicht zuträglich. Aber: Wo früher Leute ihre Umblätter-Finger mit Spucke benetzten und Notizen kritzelten, starren sie jetzt semi-konzentriert in ihre Screens.

Ein paar Fun Facts:

17 Stunden im Monat verbringen deutsche Büroangestellte durchschnittlich in Meetings – besagt eine Studie aus dem vergangenen Jahr. Mehr als die Hälfte der Befragten geben an, Meetings langweilig zu finden. 72 % nehmen ihre Laptops mit. Acht von zehn meinen außerdem, sie seien an ihrem Arbeitsplatz produktiver. Ein Drittel der Teilnehmer liest E-Mails, jeder fünfte verschickt währenddessen Nachrichten oder checkt soziale Netzwerke.

Hinter Laptops verschanzte Meetings sind Zeitverschwendung

Aus einer Gesprächs-Kultur haben wir Dokumentations-Fetischismus gemacht: Wir halten alles fest, anstatt uns auf gute Wortbeiträge zu konzentrieren. Noch nie ist ein Meeting kürzer geworden, weil alle nebenher Insta gecheckt haben. Noch nie wurde durch diesen digitalen Autismus ein Gespräch angeregter, ein Kontakt besser. Der einzige Vorteil ist gleichzeitig der traurigste: Alles ist dokumentiert, doppelt, zehnfach. Alle sind im Boot, keiner muss mehr eine Entscheidung alleine tragen. Und alle sind immer in Eile, denn diese vermeintliche Zeitersparnis ist gar keine: Die Arbeit, die sonst hinterher im Büro ansteht, wird nebenbei ins Tablet gehackt. Die Device-Trottel machen sich zu ihrem eigenen Protokollanten. Zeit zum Nacharbeiten bleibt nicht (von Essen und Kaffetrinken ganz zu schweigen). Denn der nächste Termin wartet, und unsere externen Gehirne unterm Arm, hetzen wir weiter in licht- und sauerstoffarme Meeting-Räume mit wolkigen Namen.

Ich kenne CEOs, die diese Art der Zusammenkunft in ihren Teams verboten haben - für mich ein Zeichen von Stil und Echtheit.

Es gibt Hoffnung: Auch dieser Hype wird wieder abflauen

Man kann nicht am Wochenende in den Achtsamkeits-Workshop rennen und von Montag bis Freitag genau das Gegenteil leben (die fünf Minuten Sonnengruß am offenen Fenster morgens zählen nicht).

Es wird nur wenige Jahre dauern, bis jemand auf die Idee kommt, sich einfach wieder effizient und einander zugewandt zusammenzusetzen. Er wird das Back-to-Mindfulness nennen, dafür plädieren, wieder Blöcke und Stifte mit Firmenlogo mit ins Meeting zu nehmen - und dann einen Haufen Asche für gleichnamige Workhops kassieren. Hey stopp mal, dieser Jemand könnte ja ICH sein?

Bis dahin gilt:

Unsere Devices haben ein Date, richtig? Dienstag um 11?

Ich schick nen Termin. Ihr seid alle cc.

#BusinessLife #EfficientMeetings #EfficientBusiness #MeetingKultur

© 2017 by Anna Gelbert © 2017 Photos by Schoko-Auge

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